Leni Gwinner

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Über mich

Leni Gwinner
Geb. 7.8.1970/ Stanford USA

Ich lebe mit meinen 3 Kindern, Mann, Hund, Katze, Hühnern in einem kleinen oberbayerischen Dorf. Perfekt zum Schreiben ist für mich unsere besondere Idylle, die dadurch entsteht, dass wir zugunsten von Insekten und Vögeln unsere Wiese nur 2 mal im Jahr mähen. Im den letzten Jahren haben sich eine Vielzahl an Blumen und Kräutern angesiedelt, sind Schmetterlinge und Hummeln eingezogen, nisten Vögel und klauen Igelfamilien in der Nacht das Hühnerfutter während Nachtkerzen erblühen und Glühwürmchen in den Büschen leuchten. Unser Garten ist „wie im Märchen“. Ich kann das nur jedem empfehlen! Man könnte nun meinen: der Rasenmäher langweilt sich! Aber der ist bei uns schon ein älterer Herr und genießt die Ruhe.

Seit 2011
Mitglied der Herrschinger Schreibwerkstatt
Seit 2014
Mitglied der Weilheimer Schreibwerkstatt
2014
1. Platz beim Herrschinger Poetry Slam
2014
4 Texte in der Anthologie: Omnis generis (Kindle Edition)
2014

2. Platz des Publikumspreises beim Hochstadter Stier

2016
3. Platz des Publikumspreises beim Hochstadter Stier
2018
1. Platz Publikumspreis beim Lyrikstier
2018
SpaceNetAward Anthologie: Quintessenz „Stugor“
2020
1. Platz Poetryslam Dreiödpoetry
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Tradition mit Nelke

Erinnerungen eines Lebkuchenteigs

Seit mehreren Jahren arbeite ich an diesem Roman.
Jetzt ist er endlich fertig und ich muss mir überlegen wohin mit ihm.

So beginnt er:

11. Mai 2048

Wenn ich Bachs Fuge in G-Moll höre, dann weiß ich es ist die Mimi. Für gewöhnlich halten meine Cousine Mimi und ich, jeden Mittwochabend eine Videokonferenz ab.
Wir sind zu dem altmodischen Namen Videokonferenz zurückgekehrt weil wir mit den ständig wechselnden Systemen nicht mehr mitgekommen sind. Jedenfalls hat uns der Karli diese supermodernen Tische geschenkt. Ich muss sagen, es gibt eine Menge technischer Erfindungen, bei denen ich absolut nicht mehr durchsteige, aber dieser Tisch ist auch für eine fast 80-Jährige logisch und einfach zu bedienen.
Zusätzlich ist er ein Schmuckstück. Ein, aus rötlichem Kirschholz gefertigter Jugendstiltisch. Auf der Platte ist rechts im unteren Eck eine Sensorscheibe eingelassen. Absolut fugenfrei geht Holz in Glas und Glas wieder in Holz über. Es ist mir ein Rätsel, wie sie das machen. Hinten befindet sich ein unauffälliger Schlitz aus dem geräuschlos ein Bildschirm empor gleitet. Die Blende, die unterhalb der Tischplatte den Tisch umrundet, ist mit geschnitzten Seerosen- Ranken und Blättern verziert. In der Mitte der Seerosenblüten sind winzige Blütenstempel aus Zedernholz eingelegt. Der Tisch riecht also auch noch gut.
Jeden Mittwoch spielen wir uns an.
Auch, wenn ich die Mimi anrufe, erklingt Bach. 3 Min 15 Sekunden dauert das Stück und in dieser Zeit schaffen auch wir alten Damen es, zu unseren Bildschirmen zu tippeln. Mittwochs um 20 Uhr weiß ich allerdings auch so, dass es die Mimi ist, dazu brauche ich eigentlich keinen Bach. Aber heute ist nicht Mittwoch, sondern Montag und es ist auch erst kurz vor 16 Uhr, aber es erklingt Bach. Ich binde mir im Gehen meine Schürze ab und habe ein bisschen Angst, dass was passiert ist. Wenn die Mimi außerhalb des Mittwoch Abend anruft, dann nicht ohne Grund. Als die Angela gestorben ist z.B., oder der Erwin. Aber auch bei erfreuliche Nachrichten, die Geburt eines von Karlis Ururenkeln oder wenn der Robert wieder einen wichtigen Kunstpreis gewonnen hat. Ich streiche mir die Haare hinters Ohr, grinse zweimal in den achteckigen Bildschirm, der bereits aus dem Tisch gefahren ist und tippe auf der Sensorplatte das orange blinkende „Annehmen“.
„Na endlich“, höre ich Mimis Stimme, kurz bevor sie auf dem Bildschirm erscheint. Ihr Gesicht ist ganz nah. Ihre früher moosgrünen Augen sind im Laufe der Zeit immer blasser geworden und blitzen nun in hexenhaftem Gelb in die Kamera.
Sie entfernt sich und auf meinem Bildschirm tauchen ihre langen, mageren Finger auf, die einen braunen Klumpen halten. „Schau was ich gefunden habe!“

Ich höre sie schnauben, ihre lange, elegante Nase erscheint auf dem Bildschirm und sie schnuppert an dem Knödel. Ich starre konzentriert auf den Bildschirm, sehe ihre Hautporen und ein paar Nasenhaare. Ich überlege, ob es Haschisch sein könnte. Auch wenn wir immer noch ein bisschen ein kriminelles Feeling haben, wenn wir welches rauchen, schließlich sind wir ja in einer Zeit aufgewachsen, als es noch verboten war, würde sie mich wegen ein bisschen Hasch extra anrufen? Eher nicht. Sie lacht auf, schaut in die Kamera, die gelben Augen funkeln. Dann schnuppert sie wieder so übertrieben am Klumpen und sagt dann „Nelke“.
„Ha...“ entfährt es mir.
„Das ist ja wohl nicht dein Ernst.“
„Doch sehr wohl!“
Jetzt muss auch ich lachen.
„Wo hast du den denn her?“
„Ich hab Kisten vom Speicher geholt. Ich dachte es wär´ mal nett, an meinem 80ten in alten Zeiten zu schwelgen. In einer Kiste liegt dann ein goldenes Kistchen und in der wiederum der da.“ Sie schwenkt den braunen Klumpen hin und her. „In einer goldenen Kiste.“ sie schüttelt den Kopf.
„Der ist ja bestimmt 40 oder 50 Jahre alt.“
Die Mimi lässt sich auf ihren Sessel zurück sinken. Erst grinst sie und ich sehe meine frühere Mimi in ihrem Lächeln. Mimi mit 20 oder 25. Dann knittern, mit dem Verschwinden des Lächeln, hunderte von Runzeln und Furchen in ihr Gesicht. Es ist ein bisschen, wie wenn man das Austrocknen eines afrikanischen Regenzeitsees im Zeitraffer beobachtet. Nun sieht man ihr ihr Alter an und dennoch, oder gerade deshalb, ist sie eine schöne Frau.
„53.“ sagt sie gefolgt von einem sehr tiefen Seufzer. „Aber dir ist schon klar, dass das eigentliche Alter dieses historischen Stücks 150 Jahre beträgt?“

Und hier noch ein kleiner Ausschnitt:

Gedichte

Ich kann Maschinen verstehen.

Außerdem inspiriert mich der Pilsensee und unser Garten mit all seinen kleinen und auch größeren Lebewesen.

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Teichpumpenblues

Täglich um 6 Uhr fünfunddreißig schaltet die Zeitschaltuhr mich ein
Dabei bin ich schon seit Jahren, hier unten doch völlig allein
Schlammig Wasser macht sich dann verbraucht auf seine Reise
Zieht matschig, gatschig, quatschig und sehr langsam seine Kreise
Verstopft den großen Bogensiebfilter mir
Seit siebzehn Jahren wechselt niemand mehr mein Filterpapier

Die Welt hat mich vergessen in einem Loch aus Sumpf und Dreck
Die Teicherbauer zogen schon vor langem einfach weg
Ich habe meine Stufenschlauchtülle verloren
Aber täglich um halb sieben starten dennoch die Motoren
Den Gummipuffer hat der Hagel mal zertrümmert
Seit siebzehn Jahren hat sich keiner mehr um mich gekümmert

Ich gurgele im trüben Wasser vor mich rum
Die Frage die mich täglich quält lautet: warum? Warum?
Meine Fließgeschwindigkeit ist um 90 Prozent gesunken
Vor Jahren schon verreckten alle Gelbbauchunken
Ich bin gefangen hier im Dunklen immer enger wird es auch
Seit siebzehn Jahren reinigt niemand mir den Absaugschlauch

Was für ein wunderbarer Weiher dieser hier mal war
Wir spiegelten das Mondlicht silbern, glitzerklar
Über meinen Versailler Wasserspielen paarten sich Libellen
Durch meine Außenreduziermuffe wogten weiche Wellen
Jetzt wird der Schlick um mich herum täglich immer schlimmer
Seit 17 Jahren schließt mich keiner mehr an meinen Profieinbauskimmer

Dieser einst so schöne Teich fängt langsam an zu stinken
Ich ersticke, drohe im Morast zu versinken
Mein einstes Heim wird ziemlich bald mein Grab
Warum schaltet nicht irgendwer den Strom mal ab?
Ich könnte ruhen hier zwischen meinen Sicherungsstreben
Bis einst Archäologen mich entdecken und dann wiederbeleben
Ohne Grobschmutzförderung bin ich doch aufgeschmissen
Seit 17 Jahren geht es mir ehrlich gesagt beschissen

Seit siebzehn Jahren hat keiner mehr nach mir geschaut
Ich lebe immer noch, bin so solide gebaut
Wasserlauf, Wärmeausgleich, Kaskadenpulsationen
Seit siebzehn Jahren verliere ich immer mehr Funktionen
Seit siebzehn Jahren arbeite ich netzbetrieben
Schalte täglich ein, um fünf nach halb sieben

 

 

 

Personality Split 2000

 

Ich steh hier in der Finsternis

Als wäre ich ein Ärgernis

Als bräuchte man mich draußen nicht

Als bräuchte ich kein Tageslicht

Dabei liebe ich meinen Beruf

Hallo? Dies ist ein Hilferuf!

Will dein Heim von Staub freihalten

Reine Ebenen erhalten

Flächen strahlend makellos

Böden sauber tadellos

Wie lieb ich es

Wenn Brösel durch meine Rohre sich winden

Stäubchen im Bürstenaufsatz verschwinden

Haare kurz vor der Knotenbindung

In einer meiner Röhren Windung

Witzeln, bitzeln, sachte Spitzeln

Schwungvoll durch den Filter kitzeln

Erdklümpchen durch die Schläuche kribbeln

Krümel in Fugendyse zippeln.  

Warum werde ich nie benutzt?

Das Haus nicht ordentlich geputzt?

Es muss  längst im Dreck versinken

Und seit  Wochen übel stinken

Und ich stehe hier hochdotiert

Mit zwei Preisen dekoriert

Mit vielen Extras ausstaffiert

Bürstenkopf der kontrarotiert

Antimilben, 8000Watt

Hygienesauger, silber Matt

Mit dem Design Award prämiert

Die Fassung elyptisch auszentriert

Die Formung meiner Schläuche futuristisch vollendet

Im harmonischen Schwung  aerodynamisch geblendet

Subkorreal hydrostorniert

hyperkalistisch überfloriert

steh hier in diesem dunklen Loch

Bitte bitte holt mich doch!

 

Lebkuchen Rock`n Roll

Flarf

Du gibst zwei konträre Begriffe bei einer Suchmaschine ein. Aus den dann erscheinenden Überschriften und Texten wählst du dir Sätze, Satzfragmente oder Wörter aus; machst dir eine Stoffsammlung und kreierst daraus einen Text.
Scheinbar inhaltlich sinnlos, aber trotzdem sehr aussagekräftig? Emotional, voller Zeitgeist aber Quatsch?

Als Begründer des Flarf gilt Garry Sullivan, der Anfang des Jahrtausends so versuchte ein richtig schlechtes Gedicht zu schreiben.
In den USA ist Flarf weit verbreitet, hier aber noch nicht so recht angekommen.

Probiere es doch einfach mal aus. Wenn dir flarfen gefällt und du Lust hast, dich mit anderen Flarfpoeten zu treffen, dann melde dich doch bitte bei mir: FLARF@email.de oder schreibe mir über dieses Flarf-Kontaktformular.

 

Habe diese Woche diesen obergeilen Kerl getroffen

Man denkt „Gott du existierst“

mit Wimpern aus Gras und deiner goldenen Stimme.

Da hat sich das Gemüt in die Höhe erhoben

mein Leben war trivial

Gezinkte Sterne

Jetzt ist der Ort bestimmter Momente

Jetzt beginnt mein Leben als geistige Catcherin

Uraltes Sinnbild der Liebe

Zwischen uns ein Wolkenzaun

Strukturen lassen sich durch rosa Einhörner nicht beweisen

Um mit der schrecklichen Wahrheit zurecht zu kommen

Vervollständigen Sie bitte ihre Gottessammlung

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Termine 2018

Sonntag, 5. August

14 Uhr auf der Poetrybühne des Komod Festival in Weilheim

Kontakt

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